Februar 2021

Frauen helfen Frauen - auch in Corona-Zeiten!

Mit diesem Rundbrief wollen wir über das vergangene Jahr und unsere Planungen für 2021 informieren.

Rückblick auf 2020

Die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie seit 2020  bis heute haben die öffentlichen Aktivitäten unseres Vereins stark eingeschränkt. Am 14. Februar beteiligten sich noch viele Frauen bei unserer Tanzaktion "One Billion Rising” auf dem Marktplatz in Bad Mergentheim. Am 1. März durften wir ein sehr schönes Benefizkonzert in der Christuskirche in Tauberbischofsheim erleben und nahmen gerne die großzügige Spende der „Gesangsoase“ TBB entgegen. Am 8. März hatten wir mit unserem Second-Hand Kleiderbazar im evangelischen Gemeindehaus in Bad Mergentheim unsere letzte öffentliche Veranstaltung in 2020.  Trotz ihres abgesagten Filmabends in Tauberbischofsheim ließen uns die Innerwheel-Frauen eine großzügige Spende zukommen. Dafür sagen wir noch einmal herzlichen Dank. Unsere Jahreshauptversammlung konnten wir im Juli 2020 noch unter Abstandsbedingungen durchführen. Den Flohmarkt im September in Bad Mergentheim und den Coffee & Swing Nachmittag im Oktober in Lauda mussten wir leider absagen.

Unsere Beratungsstelle in Lauda war in 2020 zu den normalen Öffnungszeiten besetzt und konnte von Frauen nach telefonischer Kontaktaufnahme aufgesucht werden. Eine der Corona-Epidemie geschuldete Erhöhung der Beratungszahlen ist nicht zu erkennen, was jedoch keinen Rückschluss auf die tatsächliche Entwicklung von Gewalt an Frauen zulässt, denn wegen Corona sind oft die Partner zuhause, was betroffenen Frauen die Kontaktaufnahme mit der Beratungsstelle erschwert.

Die Beratungs-Zahlen: In 2020 wurden 105 Frauen beraten (117 Frauen in 2019). Keine Frau, die die Beratungsstelle aufsuchte, ist in 2020 in ein Frauenhaus* gegangen (5 Frauen in 2019, davon 2 in das für uns “zuständige“ Fhs.) Die Zahl der Platzverweise** und Gewaltschutzanträge*** hat sich 2020 stark erhöht. Es wurden 10 Platzverweise (2 in 2019) und 9 Gewaltschutzanträge (1 in 2019) ausgesprochen. Das Angebot des regelmäßig angebotenen „Frauencafés“  in der Beratungsstelle nutzten durchschnittlich 5 Frauen.

*Ein Grund, nicht in ein Frauenhaus zu gehen ist häufig, dass Frauen den Aufenthalt selbst finanzieren müssen, wenn ihr Einkommen über dem Status von ALG II liegt. Auch wenn die Frau bereits aus der mit der gewalttätigen Person gemeinsamen Wohnung ausgezogen und woanders gemeldet ist, ist kein Frauenhausaufenthalt möglich. Hier findet der  Platzverweis**, bzw. der Gewaltschutzantrag*** Anwendung.

**Platzverweis: Die Frau und ggf. Kinder bleiben in der gemeinsamen Wohnung. Die gewalttätige Person darf sich für die Dauer von bis zu 14 Tagen nicht der gemeinsamen Wohnung nähern.

*** Gewaltschutzantrag:  Die Frau und ggf. Kinder bleiben in der gemeinsamen Wohnung. Der gewalttätigen Person ist für bis zu sechs Monaten der Zutritt zur gemeinsamen Wohnung untersagt. Ebenso darf sie sich der Geschädigten und den Kindern auch außerhalb der Wohnung nicht nähern und auch auf keinem anderen Weg Kontakt aufnehmen.

Ausblick auf 2021

Unsere Beratungsstelle in Lauda ist auch weiterhin weiterhin zu den normalen Öffnungszeiten besetzt und kann von Frauen nach telefonischer Kontaktaufnahme aufgesucht werden.

Veranstaltungen

Vorstand und Frauenteam: Die interne Arbeit von Vorstands- und Teamfrauen ging/geht auch in Corona- Zeiten weiter. Vorstands- und Teamsitzungen konnten ab Sommer 2020 nicht wie gewohnt stattfinden, sondern mussten und müssen bis auf weiteres telefonisch oder per Videokonferenz durchgeführt werden.

„One Billion Rising“ im Februar und den „Second-Hand Kleiderbazar im März müssen wir leider absagen. Ob der Flohmarkt im September und „Coffee & Swing“ im Oktober stattfinden können, hängt von der Corona-Lage ab.  Auch unsere geplanten Besuche bei den Familienzentren im Landkreis sind von der Corona-Lage abhängig. Wir hoffen auf eine  baldige Entspannung der Situation.

Jahreshauptversammlung: Wir hoffen, dass die JHV 2021 wieder „normal“ stattfinden kann und schieben deshalb den Termin so weit hinaus, bis die Corona-Regeln dies erlauben. Bei der JHV stehen Neuwahlen für Vorstand und Kassenprüfung an. Beide bisherigen Kassenprüferinnen werden bei der kommenden JHV ihr Amt abgeben. Wir hoffen, dass sich zwei Mitglieds-Frauen zu dieser Aufgabe bereit erklären.

Erfreuliches

Wir wurden in das Bundesförderprogramm gegen Gewalt an Frauen „Hilfe 2.0“ aufgenommen. Durch diese finanzielle Förderung konnten wir unsere Büroausstattung im Dezember 2020 ergänzen, sowie Vorstand und Team mit Tablets für Videokonferenzen ausrüsten.

Unser Herzensprojekt „Kurzzeit-Notunterbringung“: Die Kurzzeit-Notunterbringung von Frauen in Hotels und Pensionen im Landkreis ist dank der freundlichen und unbürokratischen Unterstützung durch Sozialdezernentin Frau Krug und Herrn Gotthart vom Landratsamt, sowie der Zusage von Hotels und Pensionen im Landkreis seit Herbst 2020 startklar. Sobald Hotels und Pensionen wieder öffnen, können wir in Zusammenarbeit mit der Polizei auf die Notunterbringung zurückgreifen.

Warum Notunterbringung: Ein Platzverweis oder ein Gewaltschutzantrag (den die Polizei ausspricht) bietet normalerweise Schutz für die Frauen vor der gewalttätigen Person aus Familie oder Partnerschaft. Manche Frauen brauchen jedoch einen Ortswechsel, um in Sicherheit einen Weg aus der Gewalt planen zu können. Die Notunterbringung bietet Frauen eine gute Möglichkeit, sofort aus der belastenden Situation herauszugehen, besonders bei  Akutsituationen in der Nacht, am Wochenende oder wenn das Frauenhaus belegt ist. Finanziert wird dieser vorübergehende Aufenthalt (wie auch ein Frauenhaus-Aufenthalt) vom Jobcenter, allerdings nur wenn die Frau ALG II berechtigt ist. Frauen mit höherem Einkommen müssen, ebenfalls wie im Frauenhaus, den Aufenthalt selbst finanzieren.

Taschentuch-Projekt „Wir haben die Nase voll - Keine Gewalt an Frauen!“

Auch bei diesem Projekt hat uns das Landratsamt unterstützt und die Papiertaschentücher samt Eindruck finanziert. Wir werden sie ab März bei Friseur-Geschäften und Infoständen  im Landkreis verteilen.

Infos aus der Jahreshauptversammlung 2019

Vorstandswahlen:

Bei den turnusgemäßen Vorstandswahlen wurden wiedergewählt: 1. Vorsitzende: Gayle Lüdtke-Beemer 2. Vorsitzende: Roswitha Lesch, Schriftführerin: Sylvia Schmid, Besitzerinnen sind erneut Renate Wäsche und Heidrun Mansch. Kassenprüferinnen bleiben Ortrud Paul u. Rosemarie Ley. Die langjährige Schatzmeisterin Birgit Ditter gab ihr Amt ab, zur neuen Schatzmeisterin wurde Andrea Bihr gewählt.

Kasse:

Die scheidende Schatzmeisterin Birgit Ditter zeigte In ihrem Bericht, dass der Förderverein durch Mitgliedsbeiträge, erwirtschaftete Beträge bei Veranstaltungen, Bußgelder, Spenden und durch Zuschüsse des Landkreises finanziell gut aufgestellt ist, so dass der Fortbestand der Beratungsstelle gesichert sei. Roswitha Lesch dankte Birgit Ditter für ihre immer sorgfältige und zuverlässige Arbeit. Birgit Ditter sei es gelungen, die bei Beginn ihrer Amtszeit schwierige finanzielle Lage des Vereins aus einem tiefen Tal herauszuführen und im positiven Bereich zu stabilisieren. Die neue Schatzmeisterin Andrea Bihr könne eine gut geführte Finanzverwaltung übernehmen.

Beratungsstelle:

Sandra Klingert berichtete aus der Beratungsstelle: Die Beratungszahlen sind 2018 im Vergleich zu 2017 angestiegen: Insgesamt haben 104 Frauen Kontakt aufgenommen, davon 71 deutsche Frauen, 33 Frauen mit Migrationshintergrund. Insgesamt gab es 422 Beratungskontakte, davon 96 persönlich, 324 telefonisch und 2 Internetkontakte. Oft waren dritte Personen in die Kontakte eingebunden, z.B. Anwälte, Jobcenter, Polizei, Ordnungsämter, Gericht, Krankenhäuser, Psychologische Beratungsstellen und schließlich dem Frauenhaus. Hinzugekommen sei das Problem der Gewalt in Unterkünften für Asylsuchende. Durch Betreuerinnen vor Ort oder Ehrenamtliche die eine Familie unterstützen, gelang es auch hier, betroffenen Frauen zu helfen. Ein Frauenhausaufenthalt gestalte sich in diesen Fällen wegen der Finanzierung aber weiterhin schwierig. Das Leid, das Frauen aus allen Bevölkerungsschichten zugefügt wird, sei in jedem Fall Grund genug, dass noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden müsse. Frauen sollen wissen, dass es Möglichkeiten gibt, aus der Gewaltspirale zu entkommen. Eine gute Vernetzung und der Austausch mit anderen Einrichtungen und Ämtern sei daher ein wichtiger Baustein der Beratungsarbeit, so Sandra Klingert. Sei dies gegeben, gelinge es den Frauen besser, anstehende Schritte umzusetzen. Insgesamt sei es neben der Klärung von Formalitäten und Behördengängen sehr wichtig, das Selbstwertgefühl der betroffenen Frauen zu stärken. Wie Frauen dieses nach und nach wieder aufbauen, darüber können sich Frauen im einmal monatlich im Frauencafé der Beratungsstelle austauschen.