Schutz für Frauen bei akuter Gefährdung

Erschienen in den Fränkischen Nachrichten, am Mittwoch, 11. März 2026, Von Heike von Brandenstein

Main-Tauber-Kreis. Die Zahlen sind ernüchternd. Laut aktueller polizeilicher Kriminalstatistik des badenwürttembergischen Innenministeriums stieg die häusliche Gewalt 2025 um 3,2 Prozent auf 18.561 Fälle und stellte damit ein Fünfjahreshoch dar.„Häusliche Gewalt zerstört Vertrauen, Familien, Sicherheit“, hatte Innenminister Thomas Strobel dazu gesagt. 19 Menschen im Land seien im vergangenen Jahr durch Partnerschaftsgewalt ums Leben gekommen, jeden Tag habe die Polizei rund 50 Fälle und rund 30 verletzte Opfer durch diese Form von Gewalt zu registrieren.

Die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Heilbronn gibt für den Main-Tauber-Kreis 155 Fälle an, im Nachbarkreis Hohenlohe waren es 186 und im Neckar-Odenwald-Kreis 232. „Die Ausgangssituation ist verstörend und alarmierend“, so Sozialdezernentin Elisabeth Krug bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr. Dabei sei der Schutz vor Gewalt eine staatliche Aufgabe, die in der Istanbul-Konvention festgeschrieben sei und neben der Prävention und der Sensibilisierung für das Thema zu einem umfassenden Schutz für Frauen und die Strafverfolgung von Tätern verpflichte. Der Prozess sei allerdings langwierig.

Ein erster Schritt wurde in Deutschland mit dem Gewaltschutzgesetz gemacht, das allerdings erst ab 2032 einen Rechtsanspruch auf kostenfreien Schutz und Beratung vorsieht.

Im Main-Tauber-Kreis finden Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, Beratung und Unterstützung beim Verein „Frauen helfen Frauen“, der gleichzeitig auch Förderverein für das im Neckar-Odenwald beheimatete Frauen- und Kinderschutzhaus ist. Seit 2006 erhält der Verein vom Landkreis einen jährlichen Zuschuss für die Personal- und Sachkosten der Beratungsstelle. Darüber hinaus beteiligt sich der Main-Tauber-Kreis hälftig an der Defizitfinanzierung des Frauen- und Kinderschutzhauses, in dem es fünf Schutzplätze für Frauen und ihre Kinder gibt. Hohe Beratungszahlen und eine stark ausgelastete Belegung zeigten laut Krug jedoch: Der Bedarf ist groß – gerade auch im ländlichen Raum. Immer wieder müssten Frauen in Notsituationen abgewiesen werden, weil kein Platz frei sei. Für Akutsituationen gebe es keine kurzfristig verfügbaren Schutzplätze, so dass man sich bislang mit Pensionen oder Hotels beholfen hätte.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ hat deshalb einen konkreten Handlungsbedarf angemeldet, um seine Beratungsleistungen auszuweiten und die steigende Zahl an Anfragen und komplexere Fallkonstellationen besser zu bewältigen. Außerdem wurden zeitlich befristete Schutzplätze im Main-Tauber-Kreis reklamiert.

Seit einiger Zeit unterstützt das Ehepaar Fleckenstein und die von ihnen getragene L. Fleckenstein-Stiftung den Verein „Frauen helfen Frauen“. Seit April 2024 wurden Gespräche geführt, wie sich die Situation verbessern lasse, 2025 dann der Durchbruch geschafft. Die L. Fleckenstein-Stiftung wird ab 1. April dauerhaft eine voll ausgestattete Schutzwohnung im Landkreis bereitstellen, in der Frauen und Kinder kurzfristig unterkommen können, wenn kein Platz im Frauenhaus frei ist und eine Perspektive gefunden ist. Die Betreuung wird über „Frauen helfen Frauen“ abgesichert.

Ausnahmslos alle Fraktionen unterstützen das Projekt
Die Zusammenarbeit zwischen Stiftung, Verein und Landkreis wird in einer Vereinbarung geregelt. Dem stimmte der Ausschuss zu. Überhaupt betonten alle Fraktionen, dass die Mehrinvestitionen des Landkreises in Höhe von 15.000 Euro auf 35.000 Euro ab 2026 gerechtfertigt seien, um die Sicherheit von Frauen und Kindern zu schützen. Allein Jochen Flasbeck enthielt sich.

„Ohne die Unterstützung der L. Fleckenstein Stiftung wäre das nicht möglich“, so Landrat Christoph Schauder. Ludwig Fleckenstein, der die Sitzung gemeinsam mit seiner Frau verfolgte, stellte sich als Vater von sechs Töchtern vor. Er habe sich vorgenommen, mit seiner Stiftung für die Belange von Frauen einzutreten. Deshalb unterstütze er auch den Bad Mergentheimer zweimal wöchentlich von der Diakonie angebotenen kostenfreien Mittagstisch in Bad Mergentheim. Und er kündigte noch mehr an: „Mein Ziel ist es, in diesem Jahr eine Schutzwohnung zu bieten. Ab 2027 soll dann ein Frauenhaus im Main-Tauber-Kreis in Funktion gehen.“ Den Landkreis forderte er auf, dabei ein „bisschen zu helfen“.

www.fnweb.de

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